Der Wecker klin­gelt bereits um 8. Der Him­mel: so dun­kel und wol­ken­ver­han­gen wie seit Sams­tag nicht. Also Ent­schei­dung gegen das Wan­dern und für einen Aus­flug nach Genua. Über den übli­chen Fels­weg nach Mone­glia und zum Bahn­hof. Dort hat der Zug 25 Minu­ten Ver­spä­tung. Naja, was machts? Wir nut­zen die Zeit für einen Cap­puc­ci­no in der Bahn­hofs­bar. End­lich: der Zug fährt ein. Etwa Vier­tel nach 12 kom­men wir in Geno­va Bri­gno­le an und suchen uns mit dem Navi und dann immer mehr mit dem Ein­fachst-Stadt­plan aus dem Rei­se­füh­rer von Chris­toph Hen­nig unse­ren Weg in die Alt­stadt. Durch teil­wei­se recht dunk­le Gas­sen nähern wir uns der Kir­che San Loren­zo und kom­men von dort über ein paar Abbie­gun­gen zur Pas­tic­ce­ria Klain­guti, gegrün­det 1828 von eini­gen Brü­dern aus dem Enga­din, die nach Ame­ri­ka aus­wan­dern woll­ten, aber in Genua hän­gen blie­ben und es dort mit ihren Kuchen zu etwas brach­ten. Mit einer Pino­lata (Blät­ter­teig mit Mar­zi­pan und Pini­en­ker­nen) und einer Torti­na di Pere (Bir­nen­tört­chen) und zwei Tas­sen Cap­puc­ci­no set­zen wir uns vor die Kon­di­to­rei und las­sen es uns gut gehen.

Wir machen uns auf in den Weg zum Hafen. Das Licht ist grell, so sehr wird es durch die nicht ganz so dich­ten Wol­ken gestreut. Das Hafen­ge­län­de am Por­to Anti­co ist vor Jah­ren restruk­tu­riert wor­den: Die alten Hafen­an­la­gen sind nicht mehr im Dienst, alte Krä­ne ste­hen noch als Indus­trie­denk­mä­ler her­um. Ren­zo Pia­no hat hier zu den Kolum­bus-Fei­er­lich­kei­ten (1992) die Biga (Mast­baum) als Denk­mal auf­ge­stellt, ver­bun­den mit einer Ver­an­stal­tungs­flä­che unter Segeln. Nicht weit davon die „Bol­la“ (Bla­se), eine Glas­ku­gel, einen Art zu besich­ti­gen­des Gewächs­haus. Ein altes Baum­woll-Lager­haus hat man, ähn­lich den Ham­bur­ger Spei­cher­städ­ten, einer neu­en Nut­zung für Geschäf­te, Biblio­the­ken und ein Kon­gress­zen­trum zuge­führt. Nur andeu­tungs­wei­se ist im Innern die alte Gebäu­de­struk­tur noch zu erken­nen. Fan­tas­tisch: Vom Hafen aus sieht man, wie unüber­schau­bar sich Genua auf die umlie­gen­den Anhö­hen verteilt.

Via San Luca in Genua

Via San Luca in Genua

Anschlie­ßend schau­en wir in die Via San Luca, ziem­lich eng, aber vie­le Leucht­re­kla­men und Men­schen, und ein abwechs­lungs­rei­ches Gemisch aus allem. Zum Schluss noch ein Blick in die Via Bal­bi, eine Pracht­stra­ße, in der allein eine Adels­fa­mi­lie 7 Paläs­te gebaut hat, die heu­te als Muse­en oder von der Uni­ver­si­tät Genua genutzt werden.
Ziem­lich erschöpft vom vie­len Lau­fen tre­ten wir den Weg zurück zum Bahn­hof Bri­gno­le an und über­le­gen uns, im Da Genio noch vor­her zu essen. Schon ganz in der Nähe davon las­se ich mich vom Navi irre­füh­ren, aber schließ­lich lan­den wir doch noch dort, aber vor ver­schlos­se­nen Türen. Es soll­te also nicht sein: Da muss heu­te das Ris­tor­an­te im Cam­ping rei­chen. Kurz vor neun – es läuft gera­de Frank­reich gegen Ita­li­en – kom­men wir dort an und bekom­men immer­hin Piz­za. Jetzt haben wir noch ein biss­chen vor der Hüt­te genos­sen, dass das Meer heu­te Abend deut­lich ruhi­ger ist, da wächst sich all­mäh­lich das anfäng­li­che Wet­ter­leuch­ten zu einem ech­ten Gewit­ter aus. Der Regen trom­melt aufs Dach, vor der Hüt­te plät­schert das Was­ser aus den Regenrinnen.